Praxis ohne Grenzen Hamburg

Eva Flick (JUVE Verlag) und Prof. Dr. Peter Ostendorf (Praxis ohne Grenzen Hamburg)

Praxis ohne Grenzen Hamburg

 

In Deutschland herrscht oft Unverständnis darüber, dass es in anderen Ländern keine ausreichende Krankenversicherung gibt. Dabei wird übersehen, dass auch hierzulande viele Menschen ohne eine solche gesundheitliche Absicherung leben müssen, was oft katastrophale medizinische, aber auch sozialen Folgen wie dem Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Leben hat.

Der Grund für den Verlust der Krankenversicherung ist, neben der Obdachlosigkeit, in der Regel eine persönliche Insolvenz. In der Phase einer wirtschaftlichen Krise können Betroffene die Krankenkassenbeiträge nicht mehr zahlen und verlieren dadurch den Versicherungsschutz. Wenn sie später wieder von den Krankenkassen aufgenommen werden wollen, verlangt diese, dass sie die Beiträge der Zwischenzeit nachzahlen, was sie meist nicht leisten können. Nach aktuellen Schätzungen liegt die Gesamtzahl dieser Patienten bei 450.000 bis 500.000. Noch wesentlich höher ist die Zahl der Nichtversicherten unter den illegal hier lebenden Frauen und Männern. Hinzu kommen noch Zuwanderer aus neuen EU- Ländern, wie Rumänien oder Bulgarien, die oft keine sozialpflichtige Arbeit finden und deshalb auch nicht versichert sind. Die Gesamtzahl aller unversicherten Patienten in Deutschland liegt zwischen 1,5 und 2 Millionen.

Der ehemalige Chefarzt des Zentrums für Innere Medizin in einem Hamburger Krankenhaus, Prof. Dr. Peter Ostendorf, hat im Frühjahr 2014 in der Hansestadt eine Praxis eröffnet, in der er Menschen ohne Krankenversicherung eine fachlich fundierte Gesundheitsvorsorge anbietet.

Bedürftige erhalten in der Praxis ohne Grenzen kostenlos die notwendige akute Versorgung, aber auch eine präventive Beratung und Behandlung etwa bei Schwangerschaften oder Infektionen. In der als gemeinnützig anerkannten Praxis arbeiten zurzeit 45 ehrenamtliche Fachärzte und 15 Krankenschwestern bzw. MTAs. Gestartet im Jahr 2014 wurde die Praxis seit April 2015 bedarfsgerecht zu einer poliklinischen Ambulanz für neun medizinische Fachrichtungen erweitert.

In der ersten Sprechstunde wurden 12 Patienten betreut, aktuell suchen 100 bis 120 Patienten eine Sprechstunde auf. Im Jahr 2019 wurden bis Ende Juli bereits 3820 Patienten behandelt. Die zu behandelnden Patientenzahlen nehmen zurzeit deutlich zu, so dass die Sprechstundenzeiten erweitert wurden. Problematisch sind allerdings die zunehmenden teuren Operationen und Krankenhaus-Therapien, die in Zukunft die finanziellen Ressourcen übersteigen könnten.

Die Ziele der Praxis sind eine leitliniengerechte Diagnostik und Therapie der Patienten in den einzelnen Fachgebieten. Die laufenden jährlichen Kosten betragen 150.000 bis 180.000 Euro und müssen komplett aus Spenden finanziert werden. Größter Kostenposten sind Medikamente sowie OPs, und andere Behandlungen (wie z.B. Chemotherapie), die nicht in der Praxis ohne Grenzen durchgeführt werden können, für die sie aber die Kosten tragen. Darüber hinaus muss mit steigenden Patientenzahlen auch weiteres technisches Gerät für die Praxis angeschafft werden.

Kostenlose Behandlung für Menschen ohne Krankenversicherung ist die Kernidee von Praxis ohne Grenzen. Im Mai 2014 gründete Prof. Dr. Peter Ostendorf in drei Räumen des Seniorenheims Hamburg-Horn eine Praxis für unversicherte Patienten, da ein nennenswerter Teil der in Deutschland lebenden Menschen von der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen ist. Hierzu gehören sogenannte papierlose Ausländer, Einwanderer aus EU-Ländern, die keine Krankenversicherung haben, sowie unversicherte deutsche Staatsbürger.

praxisohnegrenzen-hh.de