European Lawyers in Lesvos

Eva Flick (JUVE Verlag), Dr. Annette Mutschler-Siebert (European Lawyers in Lesvos), Ylva Wüstemann (JUVE Verlag) und Philip Worthington (European Lawyers in Lesvos)

European Lawyers in Lesvos

 

Auf der griechischen Insel Lesbos leben derzeit mehr als 10.000 Asylbewerber, von denen die überwiegende Mehrheit aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak geflohen ist. Sie sind auf der Suche nach Sicherheit und Schutz vor Krieg und Verfolgung.

Das Asylverfahren ist ein komplexer, schwer verständlicher und sich ständig ändernder rechtlicher Prozess. Dennoch gibt es keine staatlich geförderte Rechtsberatung vor dem Asylinterview, auf dessen Grundlage entschieden wird, ob der betreffenden Person Asyl gewährt wird. Ohne den Zugang zu Rechtsberatung verstehen die meisten weder ihre Rechte noch den Prozess oder die Kriterien, die bei der Beurteilung ihres Gesuchs angewandt werden. Sie sind daher erheblich benachteiligt. Der einzige Weg, wie jemand Rechtsbeistand erhalten kann, ist über eine der wenigen NGOs auf der Insel, wie die European Lawyers in Lesvos („ELIL“).

ELIL ist die einzige, die sich auf individuelle Beratung zur Vorbereitung der Asylsuchenden auf ihr Interview spezialisiert hat. Sie beraten zudem unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die fälschlicherweise als Erwachsene registriert wurden, und Asylsuchende in Haft. Außerdem helfen sie, Familien zusammen zu bringen, indem sie sie bei ihrem Antrag auf Familiennachzug nach der Dublin-Verordnung unterstützen.

ELIL wurde im Juni 2016 vom Council of Bars and Law Societies of Europe (CCBE) und dem Deutschen Anwaltsverein (DAV) gegründet. Ihre Arbeit hat Auswirkungen und zeigt die Bedeutung des Zugangs zu Rechtsberatung für Asylsuchende: 74,5 Prozent der Mandanten, die ELIL den Ausgang ihres Asylverfahrens mitgeteilt haben, haben Asyl erhalten, verglichen mit einer durchschnittlichen Anerkennungsquote in Griechenland von 46,5 Prozent. Es konnten außerdem fast 3.600 Menschen dabei unterstützt werden, Moria zu verlassen und auf das griechische Festland zu ziehen. Das Projekt hat darüber hinaus über 900 Menschen geholfen mit ihren Familienangehörigen in anderen europäischen Ländern wieder vereint zu werden.

Das Team von ELIL besteht aus einem Mix aus festen Mitarbeitern und kurzfristigen Freiwilligen. Bisher haben sich 152 europäische Asylanwälte aus 17 Ländern freiwillig gemeldet und – zusammen mit hauptberuflichen griechischen Asylanwälten – für mehr als 9.000 Menschen kostenlose Rechtshilfe geleistet. 25 Euro ermöglichen es dem Team, eine Person rechtlich zu beraten. Die aktuellen Finanzierungsquellen sind Anwaltskammern und -verbände sowie Anwaltskanzleien und Einzelspender. Das jährliche Gesamtbudget beträgt 380.000 Euro.

Angesichts des derzeit dringenden Bedarfs an Rechtshilfe hofft ELIL, auch künftig ausreichende Mittel aufzubringen, um die Arbeit in Griechenland ausbauen zu können. Außerdem ist es das Ziel, das Programm zu gegebener Zeit über Griechenland hinaus auszudehnen, um dem Bedarf an Rechtsbeistand für Asylbewerber, die nach Spanien und Italien einreisen, nachzukommen. Kann sich ELIL ausreichende Mittel sichern, könnte das Team insgesamt mindestens 600 Asylbewerber pro Monat unterstützen.

Die European Lawyers in Lesvos bestehen seit Juni 2016, ursprünglich als Initiative des Deutschen Anwaltvereins (DAV) und der Europäischen Anwaltvereinigung CCBE in Kooperation mit griechischen Anwaltskammern. Inzwischen ist European Lawyers in Lesvos eine gemeinnützige und unabhängige Gesellschaft. Mit dem Projekt European Lawyers in Lesvos leisten griechische und weitere europäische Rechtsanwälte, die Experten auf dem Gebiet des Asylrechts sind, auf der griechischen Insel Lesbos für Flüchtlinge individuelle und kostenlose Rechtsberatung.

www.europeanlawyersinlesvos.eu